Ist unsere
Gesellschaft gegenüber ihrer Schule gerecht?
Zeitungsartikel
Alsfeld
(Oberhessen) 1964
["Ist unsere Gesellschaft gegenüber ihrer
Schule gerecht?", von Studienassessor
Hans-Günter Marcieniec, Oberhessische Zeitung,
Freitag, 13. November 1964]
[Die folgende Zuschrift
bezieht sich auf einen Artikel, der in der OZ vom
30. Oktober erschienen ist. Er wurde uns von der
Hessischen Landeszentrale für politische Bildung
zur Verfügung gestellt, wie sie in allen
Bundesländern und auch im Bund selbst bestehen
und halbamtlichen Charakter tragen. Die in dieser
Leserzuschrift vertretene Meinung braucht nicht
in allen Teilen mit der Meinung der Redaktion übereinzustimmen.
Innerhalb
einer mit "Bildung und soziale
Schichtung" überschriebenen Artikelserie
erschien am 30.10.1964 in dieser Zeitung ein
Aufsatz unter dem Titel "Ist unser
Schulsystem gerecht?". Die folgende
Stellungnahme erfolgt in Auseinandersetzung mit
der Behauptung, die höhere Schule sei eine
typische Mittelklasseninstitution.]
1.
Die Unredlichkeit, nicht auf ihren
Wahrheitsgehalt geprüfte Behauptungen zu
verbreiten
Die
Formulierung, die höhere Schule sei eine
typische Mittelklasseninstitution, ist ihrerseits
ein typisches Beispiel für eine als wahr
hingehende, dabei aber gänzlich unbewiesene
Behauptung. Bereits die gebräuchliche
Verallgemeinerung "die" höhere Schule
ist nach dem Maßstab der Redlichkeit eigentlich
unerlaubt. Man muß den Gymnasiallehrern an
Einsicht weit voraus sein, um eine derartige
Behauptung mit leichter Hand in ein für die
Öffentlichkeit bestimmtes Informationsmittel
setzen zu können. Wir Gymnasiallehrer selbst
kennen dagegen immer nur einzelne höhere
Schulen, d. h. also jeweils konkrete Fälle, am
besten natürlich diejenige höhere Schule, an
der wir gegenwärtig unseren Dienst leisten. Und
wie wir uns hüten würden, von der Fähigkeit
eines Zeitungsschreibers auf die Fähigkeiten
aller Zeitungsschreiber zu schließen, so
verwundern wir uns vor der Courage dessen, der
schwerwiegende Urteile über eine ganze, aus
vielen Einzelteilen bestehende sogenannte
"Institution" abgibt, obwohl man
argwöhnen muß, daß die Quellen seiner
Kenntnisse nicht eigene Erfahrungen sind. Der in
dem genannten Urteil wirkende Hang zur
Verallgemeinerung ist an sich selbst das
Unverbindliche, das sich mit der unbequemen
Realität nicht einläßt, dafür aber in der
Bequemlichkeit des großen Worts bleibt, das den
schönen Klang dem mühevollen Begründen
vorzieht.
2.
Jede sozial verbrämte Argumentation hat heute
Aussicht, ohne Überprüfung geglaubt zu werden
Abgesehen
von der leichtfertigen Generalisierung in der
Formulierung "die höhere Schule - eine
typische Mittelklasseninstitution", erweckt
sie die Vorstellung, daß die höhere Schule im
Dienste der "Mittelklasse" stehe und
darüber wache, daß sie möglichst nur von
Kindern der sogenannten "Mittelklasse"
besucht werde.
Dem in
die politischen Wissenschaften Eingeweihten
assoziiert sich der von Kommunisten benutzte
Slogan vom "Handlanger der
Bourgeoisie". Das ist klassenkämpferisch
gedacht und formuliert. Und wir meinen, daß in
der Formulierung "typische
Mittelklasseninstitution" eine gute Portion
eines klassenkämpferisch gefärbten
Unterbewußtseins mitschwingt. Nichts gegen den
historisch einst gerechtfertigten Kampf
Unterdrückter und Entrechteter gegen ihre
menschliche Selbstentfremdung, gegen ihre
Ausbeutung und menschliche Entwürdigung! Ein
uneinsichtiger Gegner reizt zur defensiven
Aggression; und bei der Erwägung der Schuldfrage
trifft nicht denjenigen primär Schuld, der sich
gegen Erstickung seines Menschentums zur Wehr
setzte. Aber: in welcher Zeit leben wir denn? Die
Zeit des Klassenkampfes ist vorüber, weil es
"Klassen" im marxistischen Sinne nicht
mehr gibt. Die einst festen Grenzen sind
niedergelegt; die durch jeweilige Leistungen (und
damit verbundenen sozialen Rang) instituierten
sozialen Schichten sind dauernd in Bewegung; es
herrscht nicht mehr das statische Prinzip,
sondern das dynamische.
3.
Die höheren Schulen stören den Hang zum
Bequemen
Seit
Jahr und Tag sehen sich die höheren Schulen
derartigen Angriffen ausgesetzt. Seit Jahr und
Tag müssen sich die Lehrer der höheren
Schulen -denn aus ihnen
bestehen diese Schulen ausschließlich-
in Presse und Rundfunk,
in privaten und öffentlichen Gesprächen
Unwahres unterstellen lassen. Seit Jahr und Tag
müssen sie es erdulden, daß man an ihnen
herumnörgelt, daß Verbände und politische
Parteien ihre politische Macht dazu gebrauchen,
in die Arbeit der Schule durch
"Reformen" einzugreifen, die
erwiesenermaßen eine vernünftige schulische
Arbeit eher erschweren als erleichtern. Trotzdem
haben die Gymnasiallehrer bisher das Kunststück
vermocht, den Nachwuchs für solche Berufe
heranzubilden, die eine geistig anspruchsvolle
Vorbildung fordern. Seit Jahr und Tag haben die
Gymnasien an einem Minimum dessen festzuhalten
versucht, was der auf Bequemlichkeit
eingeschworenen Wohlstandsgesellschaft
offensichtlich ein unerträglicher Stein des
Anstoßes ist: die Heranbildung einer auf Wissen
gegründeten geistigen Beweglichkeit,
Erkenntnisfähigkeit und kritischen Urteilskraft.
Das ist
getan worden aus tiefster Überzeugung, daß eine
Gesellschaft und eine Staatsform, deren zentraler
Wert die Freiheit sein soll, auf die Dauer gar
nicht existieren können, wenn es nicht eine
Gruppe von Menschen darin gibt, in denen die
Freiheit -in ihrer
Einzigartigkeit sowohl wie in ihrer Problematik
und Fragwürdigkeit- sich
lebendiger regt als in den vielen anderen. Dabei
war man glücklich über jeden Fähigen und
Begabten, ohne danach zu fragen "woher"
er kam, und war unglücklich über jeden
Unfähigen und Unbegabten, ohne danach zu fragen
"woher" er kam. Denn: in erster Linie
sind die Gymnasiallehrer Menschen, die von ihrem
Beruf her denken. Sie möchten ihr umfangreiches
Wissen, das sie sich haben erwerben dürfen und
das sie für ihre besonderen Aufgaben benötigen,
weitergeben. Und sie freut jeder Schüler, der
auf irgendeine Weise zu erkennen gibt, daß er
einen geistigen Sachverhalt verstanden und
begriffen hat, daß er das erworbene Wissen in
möglichst eigenständiger Weise verarbeitet hat
und zu nutzen versteht; und sei es, daß er mit
ihm -auf sachliche Weise
natürlich- seinem
eigenen Lehrer widerspricht. Denn wir lieben die
Freiheit. Und wir sind froh über jede
selbständige geistige Regung, die uns anzeigt,
daß Freiheit und das Bewußtsein von ihr in
einem anderen wachgeworden sind.
Wir
Lehrer kämpfen immer gegen das, was man den
menschlichen Hang zur Bequemlichkeit und zu
geistiger Trägheit nennen möchte. Das ist
primär ein menschliches, gar nicht so sehr ein
ökonomisch-soziologisches Problem. Wir alle
erleben es in uns. Und unser Leben
steht -sofern wir
überhaupt an Kultur teilnehmen
wollen- eigentlich in
dauernder Auseinandersetzung mit diesem Hange zur
Trägheit.
Wie es
fraglich ist, ob alle diejenigen, die niemals
gelernt haben, geistige Arbeit als einen Wert in
sich zu erleben, bereit sein werden, einen Beruf
zu ergreifen, in dem sich wenig, relativ wenig
-setzt man
Kräfteaufwand und Bezahlung in Vergleich-
verdienen läßt, so ist
es um so fraglicher, wenn ihnen auf Grund
sozialer Einrichtungen und sozialer Gestaltung
des Lebens auf allen Gebieten ein materieller
Wohlstand garantiert ist, auch ohne daß sie sich
dafür allzu intensiv, mit der ganzen Person,
einsetzen müßten.
Man
müßte einmal fragen, ob nicht die Klagen gegen
die höheren Schulen die in Aggressionen
verwandelte Abwehr unbequem empfundener
Ansprüche sind, die von seiten der höheren
Schulen - einfach durch deren Dasein - erhoben
werden. Man fürchtet die Unruhe im Geiste, weil
sie - ungewohnt - ängstigt und den, ach, so
geliebten Trott zu gefährden droht. Man setzt
sich dagegen zur Wehr mit Argumenten, die aus der
Requisitenkammer eines Stückes stammen, das seit
Jahrzehnten als unzeitgemäß für abgesetzt gilt
und von dem man mit Recht annehmen durfte, es
gehöre der Geschichte des Welttheaters an.
4.
Mögliche Reaktionen der höheren Schulen auf
andauernd ungerechte Behandlung
Dieser
an sich deprimierende Zustand brauchte nur halb
so deprimierend zu wirken, wenn nicht diejenigen,
die sich berufen fühlen, die öffentliche
Meinung mitzubilden, in schier unverantwortlicher
Weise das Unverstandene oder nur halb Verstandene
weiter verdunkelten, anstatt auf sachliche
Klärung zu drängen. Dieser seit Jahr und Tag zu
beobachtende und von den Gymnasiallehrern bisher
schweigend erduldete Trend wird sogar von
höchsten Regierungs- und Parteistellen
unterstützt, insbesondere dann, wenn eigene
Interessen (lies: eigene Kinder) dabei im Spiele
sind.
Bedenkt
dann der Lehrer, mit wieviel bestem Willen und
ehrlichster staatsbürgerlicher Gesinnung er
seine Arbeit begonnen hat und sie Tag für Tag
aufs neue beginnt und wieviel an ungerechter
Behandlung er dafür von seiten der Gesellschaft
erfährt, die sich im Besitz des Steins der
Weisen wähnt, so kann er die Frage: "Ist
unser Schulsystem gerecht?" nur ins
Gegenteil wenden und fragen: "Ist unsere
Gesellschaft gegenüber ihrer Schule
gerecht?"
Die
Ehrlichkeit gebietet es, darauf hinzuweisen, daß
durch die wiederholten Verletzungen, die man den
Lehrern zufügt, in ihnen Unzufriedenheit und
Empörung gären, so daß insbesondere jüngere
Gymnasiallehrer mit der Überlegung spielen,
entweder in Berufe abzuwandern, in denen man bei
entsprechenden Leistungen angemessen behandelt,
auch bezahlt wird, oder aber die letzten Schalen
der Vergangenheit abzuwerfen und zu überprüfen,
ob die bisher sprichwörtliche Geduld des Beamten
eigentlich noch mit unseren Überzeugungen von
Freiheit und Menschenwürde zu vereinbaren ist.
5.
Versachlichung des Problems - die wichtigste
Voraussetzung für seine Lösung
Nicht
die Schule, auch nicht die höhere Schule, sollte
einseitig zur Debatte stehen, sondern die
Gesellschaft selbst sollte ihre Haltung
überprüfen und mit sich ins Gericht gehen. Es
ist einfach eine Selbsttäuschung, wenn man
glaubt, die Schule hindere bestimmte soziale
Schichten daran, sich Bildung zu verschaffen. Die
Schule selbst fühlt sich für alle offen, die
ernsthaft bereit sind, sich den Strapazen der
Bildung des Geistes zu unterziehen. Allein das
ist die unabdingbare Forderung, die die höheren
Schulen aus Verantwortungsbewußtsein für unsere
demokratische, soziale, freiheitliche
Gesellschaft meinen stellen zu müssen: die
Anforderungen dürfen nicht gesenkt werden.
Und in
dieser Frage sollte es keinen Streit geben, und
die Gesellschaft selbst sollte einsichtig genug
werden, von ihrer höheren Schule zu fordern,
daß sie an ihre Schüler höchste Anforderungen
stellt; gleichgültig, ob das eigene Kind diesen
Anforderungen genügen kann oder nicht. (Wer
beweist unsoziale Gesinnung: der diese Forderung
erhebt oder der sie für sich selbst nie gelten
lassen will?) Nachdrücklich erklären wir an
dieser Stelle: Es geht einfach nicht an, daß
(wie Prof. Ralf Dahrendorf in einer Reihe von
Untersuchungen glaubhaft machen konnte) die
zahlenmäßig größte Gesellschaftsschicht der
"Arbeiter" die wenigsten höheren
Schüler und Studenten stellt. Man sollte
allerdings die Ursachen nicht bei der Schule
suchen, sondern bei den Arbeiterfamilien selbst,
denen es (nach Untersuchungen Dahrendorfs)
weithin an der nötigen Bildungsbereitschaft und
Bildungswilligkeit gebricht. Diesen Mangel
verschulden die Arbeiterfamilien allerdings nur
indirekt selbst. Wenn sie nicht willens sind,
eine höhere geistige Bildung durch einen
Verzicht auf materielle Güter zu erkaufen, dann
ist das die Schuld der Gesellschaft, die es in
unserer Zeit und in unserem Staat zuläßt, daß
mit geistiger Arbeit immer noch materielle Opfer
verbunden sind. Andererseits ist die mangelnde
Bereitschaft der "Arbeiter", ihre
Kinder auf weiterführende Schulen zu schicken,
aus einem Versagen unserer Behörden
einschließlich der kompetenten Ministerien zu
erklären. Einem Versagen, das erklärbar wird
aus einem Vorurteil gegenüber den höheren
Schulen, wie es sich in der Formulierung
"typische Mittelstandsinstitution"
ausdrückt. Dieses Versagen besteht darin, daß
man es bisher versäumt hat, in einer breit
angelegten Aufklärungs- und Werbekampagne auf
die Möglichkeiten für einen Besuch der höheren
Schulen und auf die daraus resultierenden
Berufsmöglichkeiten hinzuweisen. Lieber
erschwert man den höheren Schulen die Arbeit,
macht ihnen auf die verquersten Weisen die
Existenz sauer, trägt sich mit Gedanken, die
jetzige Form der höheren Schulen ganz
abzuschaffen, ist drauf und dran, dafür
gewaltige Steuersummen aufzuwenden, anstatt mit
der bestehenden höheren Schule
zusammenzuarbeiten, sich ihrer zu bedienen, sie
hinsichtlich der Beteuerungen ihres guten Willens
beim Wort zu nehmen. Warum versucht man es nicht
mit ihr, warum nur immer gegen sie? Warum wendet
man die Steuergelder nicht dafür auf, Kinder aus
Arbeiter- und anderen sozial schwachen Familien
zum Besuch der bestehenden höheren Schulen
einzuladen? Warum übernimmt man
staatlicherseits
-insbesondere in ländlichen
Gegenden- nicht die
Fahrtkosten der Fahrschüler für die
Verkehrsmittel? Solchen Vorzug genießen bisher
nur die Mittelpunktschulen. Mit welchem Recht nur
sie - wenn man schon die durch Verfassung
verheißene Chancengleichheit ins Spiel bringt?
Warum, so fragen wir, bedient man sich nicht
eines bewährten Instruments, das vorhanden ist
und das nur darauf wartet, sich mit seinen
Erfahrungen und einem Optimum guten Willens in
den Dienst unserer modernen Gesellschaft zu
stellen? Hier stößt man auf Verhaltensweisen,
die rational nicht mehr zu begreifen sind. Und
wenn sich jemand aus echter Sorge fragt, welches
wohl die Gründe für den niedrigen Anteil von
Arbeiterkindern an höheren Schulen und
Universitäten sein mögen, so sollten die hier
zur Sprache gebrachten Sachverhalte zur Erhellung
solcher Gründe beitragen können.
6.
Die "alte" höhere Schule und die
"neue" Gesellschaft
Auch wir
wissen: Kindern aus Häusern ohne
Bildungstradition fällt der Übergang auf
weiterführende Schulen schwerer. Gerade deshalb
sollte man froh sein, daß der Übergang zur
höheren Schule bereits nach dem 4.
Grundschuljahr erfolgen kann. Je mehr Zeit den
Kindern zur Eingewöhnung in die spezifische
Arbeitsweise der höheren Schule zur Verfügung
steht, um so besser für sie, für die Schule,
für die ganze Gesellschaft. Außerdem sollte der
Staat durch Gewährung großzügiger Beihilfen
und durch ein gut ausgebautes Stipendienwesen den
Bildungswillen von Arbeiterkindern unterstützen.
Wir, die höheren Schulen, warten seit Jahren
darauf, bisher -vom
Wesentlichen her gesehen-
vergeblich.
Beim
echten sozialen Gedanken kann es im Ernst doch
gar nicht darum gehen, daß wir ein Volk von
Abiturienten, ein Volk von Akademikern,
Studienräten, Professoren oder was auch immer
sonst werden. Es kann nicht das Ziel einer
demokratischen, freiheitlichen, auch nicht das
Ziel einer sozialen Gesellschaft sein, jeden das
gleiche Zertifikat erwerben zu lassen, damit er
damit seine (in solchem Falle doch nur
mißverstandene) "Gleichheit" mit allen
anderen bestätigt bekommt.
Es muß
uns dagegen darum gehen, jedem nach seinen
Fähigkeiten und Leistungen gerecht zu werden.
Auf diese Weise werden im Laufe der Zeit alle
Familien ihre Gymnasiasten, ihre Akademiker
besitzen, wenn nicht in dieser, dann wieder in
einer folgenden Generation. Auf diese Weise wird
jede Familie das Ihre zur Intelligenzschicht der
Gesellschaft beisteuern und dazu beitragen, daß
die demokratische Gesellschaft leben kann, weil
die jeweils Fähigsten an denjenigen Stellen
sitzen können, die von niemand anderem in
gleicher Weise verwaltet werden könnten. Es wird
schließlich in jeder Familie eine
Bildungstradition geben, wenn auch nicht in
ununterbrochener Folge, so doch in immer noch so
frischer Erinnerung, daß von einem befähigten
Nachfahren an sie angeknüpft werden kann.
Verlieren werden sich auf diese Weise auch
Dünkel sowohl aggressiver wie defensiver Art
zwischen zur Erstarrung neigenden Schichten und
Familien. Irgendwann ist jeder wieder einmal auf
Grund eines Ratschlusses, der über alles
menschliche Planen hinausgeht, an der Reihe,
seinen Beitrag zur geistigen Führungsschicht
unserer Gesellschaft zu leisten. Das Ansehen, das
solche Menschen vor der Gesellschaft haben, ist
dann gebunden an die wirkliche Leistung - also
auf Zeit - und stellt nur in aktualisierter Form
dar, was potentiell in jeder Familie beschlossen
liegen kann. Vielleicht gelingt es auf diese
Weise, der - wenn recht verstandenen -
großartigen sozialen Idee zur Verwirklichung zu
verhelfen: soziales Sonderansehen entfaltet sich
auf Grund echter Leistung jeweils über einer
Gesellschaft prinzipiell gleicher und als solche
auch geachteter Wesen, die eine in ihrem Ursprung
begründete Würde zu dem macht, was wir alle
sind, nämlich: Menschen.
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