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Hans-Günter Marcieniec
Jägerstraße 1
D-36329 Romrod
Telefon: 06636-210
Internet: http://www.marcieniec.de



Gedichte aus dem Jahrzehnt 1950 - 1960




Duell

Der Wille sprach : Die Zähne fest geschlossen,
marschiert in ruhig festem Schritt !
Da seufzt das Herz : Ach, ich bin halb erschossen,
ich streike - und mach einfach nicht mehr mit !

Ich sollte König sein - man stellt mich in den Winkel,
der Wille sitzt auf mir mit schwerem Arsch.
Mir ist so schlecht, daß ich ins Höschen pinkel.
E r ist dran schuld - und dann ist er noch barsch.
Was halt nicht geht, das geht halt so nicht weiter !
Jedwedem ist sein Streikrecht garantiert.
Und schnauzt er auch : Na sowas ist ja heiter !
mich soll's nicht stören, ist er auch pikiert.
Ich laß mich einfach aus der Reihe gleiten,
setz mich am Wege auf ‘nen ollen Stein -
und will der Alte markig weiterschreiten,
na meinetwegen, aber nun - allein.
Ich blinz' ins Sonnenlicht und gönn' mir meine Ruhe
und seh seit langem wieder mal die schöne Welt.
Ich pfeif' auf Märsche und auf Trommlerschuhe,
auf Treu und Redlichkeit und auch - aufs Geld.
Ich laß mich einfach nicht mehr länger viehchen,
verricht' nicht länger mehr für ihn's Geschäft !
Soll er doch, wenn er mag, mir an der Hose riechen -
ich fall nicht mehr drauf rein, wenn er auch kläfft !
Sonst, wenn er triezte, rutscht' ich in die Hose
und baumelte darin vor lauter Angst !
Hab mich doch gern ! und mach Dir Deine Chose
doch selber, falls Du das verlangst !
Ich bin doch kein verrückter Perpendikel !
Hol' doch der Deixel die verdammte Hetz !
Und übrigens : im Grundgesetzartikel
steht schwarz auf weiß - die Gleichheit vorm Gesetz !
Da poch ich drauf ! Bestimmt, wenn auch sehr leise.
Doch das genügt. Ich weiß, es ärgert Dich.
Ein jeder hat das Recht auf eigne Lebensweise –
und deshalb sag ich : ohne mich !
Ich werd mich ruhig in die Kissen legen,
der Doktor knallt die Tür vor Deiner Nase zu,
ich laß mich schön massieren und auch pflegen,
ich hüpf' vor Freud und schlag' in guter Ruh.
Ich fühl mich endlich, was ich bin : des Lebens Mitte !
Was ist der Wille nun, der draußen heult ?
Ein neues Vollgefühl beschwinge mir die Schritte,
mein Kummer ist mir liebend ausgebeult.
Ich laß mich pflegen, fülle mir den Ranzen
und ab und an erlöst mich ein Klistier.
Ich laß mir niemals wieder auf der Nase tanzen -
das soll so sicher sein wie zwei mal zwei ist vier !

 


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