| Stehen
wir nicht im Egoismus des Leidens?
Wir
werden getragen durch die Frauen. Einst
und heut. Wären sie nicht in ihrer
Selbstlosigkeit, die doch so viel für
sich verlangt, - wären sie nicht, in
denen wir uns ausruhen können von den
Stürmen des Lebens, - wären sie nicht
und nicht ihre kosenden warmen Hände - dann,
möchte ich sagen, ist es besser, Du
wirfst das Leben von Dir, da Dir doch
niemals eine wärmende Sonne schiene!
Man
möchte doch alles von sich werfen,
alles, alles! Ich fühle: was ich hier
tue ist alles so bar, so flach, alles so
ohne Gewicht - wie komme ich mit meinem
Leben an den Ursprung?
Und doch geht die Sonne nicht unter.....
Der
Stoff bin ich selbst, und die Form ist
die, die ich mir gebe.
Was
anerkennen und preisen wir als Wahrheit?
Was wir als Wahrheit zu erkennen
vermögen.
Und die anderen?
Vielleicht
muß man erst alle Räume durchstürmt
und überall Grenzen gefunden
haben, ehe man einsieht, daß nirgends
eine Lücke ist, und man durch diese
Einsicht seine Ruhe gewinnt.
Ich
glaube, daß alle Gesetze, die man in der
Natur zu erkennen glaubt, auch, dem
Menschen angemessen, in ihm wirken
und daß er mit in den Bahnen läuft, die
er, welch Wahn in unserer Zeit, nur für
seine Umwelt gültig glaubt!
Dahinein
muß auch das Wort von dem wahnhaften
Egoismus des Menschengeschlechts gestellt
werden.
So
wie der Knabe Romain den Wolken befahl,
nach links zu ziehen, diese aber nach
rechts hin zogen, woraufhin er,
verärgert, ihnen befahl, nach rechts zu
schwimmen und sie das auch taten
(wie schon vor seinem Befehl), und wie er
nun jauchzte über seine vermeintliche
Macht: so ist es mit unserem ganzen
unseligen, überspitzten
Menschengeschlecht: Wenn wir eine Meinung
haben, die dem Gang der Natur entspricht,
so meinen wir, sie hätte sich nach uns
gerichtet.
Welches Wahngeschlecht!
Der
Wind wehte ums Haus. Ich sagte so zu mir:
Was ist Dir denn noch fremd? Hast Du
nicht alles schon empfunden, was es zu
empfinden gibt? Was sollst Du denn noch
hier? Wird denn Dein Dasein nicht
zwecklos? Denn nur die Jahre sind voller
Freude, die Dir dauernd neues Leben
geben, Weben und Wechseln, die sich in
Dir neu einzeichnen sollte ich so
am Ende sein? Alles bekannt?
Doch was kenn ich denn? Und
wie ich etwas nennen will, da
fliehts mir von den Lippen hinweg
in Dunkelheit und Nacht und ich
sehe nichts als dunkles Wogen, Wälzen,
Schlingen.....
Wenn
die Menschen immer gleich an das
Wesentliche dächten wir kennten
keinen Streit und Hader in der Welt.
Du
denkst immer, Du müßtest hinaus,
hinaus, hinaus in Fernen und die
Menschen fliehen oder von Dir stoßen!
Nein Du mußt Mensch sein, das ist
alles.
Spruch
Freiheit
herrsche hier auf Erden,
Fortschritt bahnt sich selber an
Keiner soll getragen werden,
wenn er selber laufen kann.
Mir
sagte jemand: Ein Zeitgenosse könne sich
heute in der Literatur schlecht
durchsetzen.
Dieses
Wort brennt in mir, und ich habe einen
aufbegehrenden, auflehnenden Trotz gegen
diese wahrscheinliche Wahrheit. Und dann
denke ich: Was suchst Du nach
Gegenargumenten? Dein Werk -solltest Du
eines hervorbringen können- soll sich
nicht auf bloße Gaukelei stützen, das
Gebäude soll nicht schwimmen auf
brüchigen Pfeilern. Ich will leben! Ich
will ringen um ein menschliches, dem
Menschen würdiges Leben! Das vermag ich
und das ist mein Ziel. Und alles das kann
ich aufzeichnen und um mehr
sorg ich mich nicht.
Immer
schenken, schenken, schenken,
niemals selbst sich dabei denken
Eigengier, sie sei ein Fluch !
Edel ist dieses Berauschen
Mensch, nie konntst Du
Höhres tauschen:
Nie warst Du Dir mehr genug !
Endlich
findet man in jeder Dichtung ein
Quentchen Wahrheit, man fühle nur recht
hin.
Den Unterschied macht nur die Menge der
vorhandenen Wahrheit. Man kann deshalb
auch keineswegs eine Dichtung verdammen
nur, weil in ihr ein anderes
Mosaiksteinchen glänzt als in einer
anderen.
Es
dürfte letztlich nur eine Tendenz geben
die zum Guten. Vor ihr muß aller
Kleinkram erblassen.
Den
Berg muß ich erklimmen und ich
will! Aber wie: zügig aufwärts,
konzentrierte Kraft, den Blick empor, mir
bewußt, daß ich klimme, daß der Gipfel
oben oder: bedächtig, fast
entspannt, mit dem Blick am Boden, denn
dann merkt man die Steigung nicht
wie beim Träumen die Tage?
Aber hoch muß ich, empor will ich!
Überkommenes.
Der
Du Dich anstrebst, Mensch:
halte Dich recht!
Sieh: denn ohne die offenen Körper und
Geist
kommst Du niemals dort an!
Unmerklich fast
und kaum erfühlbar
liegen die Grenzen,
und hast Du hier ein
ersehntes Feld
erreicht
gleich ist das nächste da,
betrittst Du es,
stehst Du in anderem Licht.
Klarheit gibt es nur
einmal
aber wie ungezählt,
bis ins Unwahrscheinliche,
liegen die Stufen dorthin.
Alles siehst Du auf Dich,
und entleiben kannst Du Dich nicht:
so bestimmts das Gesetz!
Aber sei
des Hinschauens wert und Erlebens,
diene mit Dir
für die andern und für Dich selbst.
Darum schrecke auch nicht,
Wagender
sicher gelangst Du ans Ziel,
bist Du in allem
nur
gut.
Versuch
über die Stille.
Die
Stille singt!
Gibt es denn das?
Nein, Freund, laß Dich so fragen:
Gibts eine Stille?
oder: was ist sie?
Ist
Stille nicht,
was zur Gewohnheit wurde?
Ein
Wasser geht,
es säuseln Bäume
in silberner Nacht.
Lehnst Du im Fenster da nicht
und lösest Dich in die Stille?
Es
ist nie still, Freund:
entweder hören Deine Sinne nicht mehr,
was jederzeit hörbar ist
hörn sie es aber,
ists Dir eine Wohltat,
doch still ist es nie.
Denn
wieviel tausend und Millionen Wesen
umgeben Dich,
und alles klingt zusammen,
denn : kein Bruch ist da,
weil alles fließet, hart und weich,
in einem Strom der Harmonie :
alle Stimmen wachsen aus dem Gleichen
in solchen Augenblicken des offnen
Ohrs:
in allen webt der große Gang, das Sein
o hättet Ihr doch alle Ohren und Nerven,
um in solchen Augenblicken
zu hören und zu fühl'n:
in allem ist Ein Wesen,
das Viele ist ein großes Ganzes !
O
Menschen, fühltet Ihrs doch
ich müßt nicht trauern über Euch
und um Euch.
Hört die Stille singt !
O sänge sie Euch allen nur vernehmlich
das Lied von Sein und Welt,
vom Ganzen
nie wart Ihr beßre Menschen !
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